Liebe Kreationisten…

Adam und das fliegende Spaghettimonster

…, „Intelligent Design“ Vertreter oder wie Ihr Euch auch immer nennen mögt. Ich beschäftige mich ja in letzter Zeit mit Euch. Teils aus Amusement, teils wegen meines Hangs zum Gruseligen. Denn beängstigend ist es natürlich schon, dass gebildete Menschen freiwillig den in seiner Funktion bewiesenen statistischen Prozess der Evolution, als die durch unzählige Indizien nahegelegte Grundlage der Entstehung und Entwicklung allen Lebens, eintauschen gegen eine kindliche und ignorante Vorstellung, die allerspätestens ohne Kenntnis der Umstände ihrer Entstehung als absolut absurd erscheint.

Besonders schlimm finde ich aber, dass offensichtlich erfolgreich versucht wird, der „Theorie“ ein wissenschaftliches Antlitz zu geben, in dem man Verrückte mit wissenschaftlicher Ausbildung (Verrückte gibt es überall, auch das ist reine Statistik) vor den Karren spannt, oder wissenschaftliche Aussagen aus ihrem Kontext reißt, z.B.: „Zufällige Mutation kann keine Information schaffen“. Abgesehen davon, dass der Begriff „Information“ gänzlich undefiniert bleibt, wird die Information selbstverständlich bei der Selektion gewonnen. Oder es wird mit der geringen Wahrscheinlichkeit herumhantiert, mit der sich der Mensch zu dem entwickelt, was er heute ist. Auch ein Trugschluss, denn: egal wieviele Seiten ein Würfel hat, auf eine fällt er immer. Man kann aber noch weiter gehen: die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses steigt mit der Anzahl der Versuche. Geht man davon aus, dass die Welt schon ewig existiert, gibt es nur noch zwei Wahrscheinlichkeiten: 0 und 1. Entweder etwas kann garnicht existieren, oder es kann existieren, und dann ist es egal, wie unwahrscheinlich es in einem Einzelprozess ist, es wird irgendwann existieren, ganz sicher, und zwar unendlich oft.

Natürlich ist es heutzutage einfacher plausibel darzustellen, dass die Erde keine Scheibe ist. Aber auch für das „trial and error“ Prinzip – und Evolution ist eine optimierte Variante dessen – kann man doch überall Beispiele sehen, dass es funktioniert: Der Lernprozess im Gehirn, das Wechselspiel zwischen Immunsystem und Erreger, etliche Verfahren in der Forschung, Forschung & Entwicklung an sich, ja sogar in gewisser Weise Venture-Fonds und Schlösser-Knacken, alles wäre ohne den Zufall nicht möglich oder zumindest weniger erfolgreich. Und warum haben wir einen Blinddarm? Warum sehen die Menschen zunehmend schlechter, seit es Brillen gibt? Naja, alles keine neuen Gedanken.

Aber es ist wahrscheinlich garkeine Frage der Plausibilität. Der Glaube an einen großväterlichen Gott, der sich in menschlichen Maßstäben um alles im Detail kümmert und sich sorgt, ist natürlich sehr beruhigend gegen die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit, die ja wiederum durch die Evolution bedingt ist, da sie das Überleben begünstigt. Insofern ist ironischerweise der Unglaube an die Evolution eine Folge der Evolution, und man könnte ihn erfrischenderweise zu deren Bestätigung heranziehen. 😉

Nun gut, aber eigentlich wollte ich mich ja nur bei Euch bedanken, liebe Kreationisten. Ohne Euch hätte ich wohl nie meinen Glauben gefunden, denn von nun an glaube ich an das Fliegende Spaghetti Monster.

17 Gedanken zu „Liebe Kreationisten…

  1. Ich habe es einmal gesagt, ich muß es wieder sagen: Religion bzw. Glauben und rationale Erklärung können häufig (Kreationismus) schlecht übereingebracht werden. Ich empfinde aus selbem Grund die „wissenschaftlichen“ Erklärungsversuche der Kreationisten als sehr unklugen Schachzug (schlechter PR-Berater?) und als Eigentor der Schöpfunganhänger. Man kann Glauben eben nicht bis ins Detail erklaeren, sonst waere es ja Wissen.

  2. Das FSM ist ja echt süß. Hoffentlich ließt das hier nicht Georg Bush, dann greft der noch unseren Blog an.

  3. Danke Sveenie, ich verspüre zum ersten mal seit Jahren(vielleicht ein bißchen übertrieben)wieder den Drang mich zu nem Blogthema zu äußern.
    Ich erzähle nur eine kleine Geschichte:
    Eine Freundin von mir arbeitet seit circa 5 Monaten an einer konservativen Highschool in den USA. Ihre befreundete Kollegin wurde im Biologieunterricht von einem verwirrten (oder vielleicht dem einzigen mit noch funktionierenden Synapsen) Schüler gefragt, was denn nun richtig sei. Die Evolution oder die Entstehungsgeschichte.
    Mal abgesehen davon, daß ich der Meinung bin- jeder kann da seine eigene Erklärung finden, verblüffte mich das folgende Problem. Sie sagte, wohlwissend der christlichen Prägung ihrer Schule und Umgebung, daß ihre eigene Meinung hier nichts zur Sache täte.
    Soweit so platt.
    Am nächsten Tag machte der Direktor sie darauf aufmerksam, daß sich bei solchen Sachen eindeutig nur an fachliche Aussagen zu halten ist, also am besten garnicht durchscheinen lassen, daß man auch eine eigene Meinung haben könnte. Eine erboste Mutter hatte angerufen. Sie sei verärgert gewesen- da schicke sie nun schon ihre Kinder an eine konservative Schule, und jetzt seien die armen Kleinen ganz verwirrt nach Hause gekommen und hätten sie gefragt ob das mit der Evolution denn nun auch stimmen könnte……

    Und hier eine garnicht mal so weit von deiner Idee entfernte Darstellung der Evolution. Vielleicht ist ja ein bißchen von Allem war?
    http://www.rivelazioni.com/mm/bozzetto/life.shtml

  4. @Bine: das freut mich. Aber an der Geschichte verstehe ich etwas nicht: was wäre denn die „fachliche Aussage“ gewesen? Doch eigentlich, dass die Evolution stimmt, oder? Das wäre doch dann noch Problematischer gewesen?
    Und zu dem Link: sehr schön 🙂 Aber auf welche Idee von mir Du anspielst, weiss ich nicht, die ewige Wiederholung von allem vielleicht? Übrigens lässt sich der Film mit diesem Link sehr viel schöner und größer anschauen: http://www.rivelazioni.com/mm/bozzetto/life.swf

  5. @Sveenie
    Die beiden Lehren werden dort gleichberechtigt gesehen. Die sind dort alle von jeher sehr Bibeltreu. Die Schule muß den Spagat schaffen, zwischen dem Wissenschaftlichen Anspruch des Faches und dem Bildungsauftrag einer Universitätsvorbereitenden Schule und dem extremen Glauben seiner Klientel. Ich denke in diesem Moment hätte es keine richtige Aussage geben können. Die Kinder werden dort vorm eigenständigen Formen einer Meinung „beschützt“. Wissen aller Art wird dort konsumiert, aber nicht hinterfragt.
    Ich habe auf die ewige Wiederholung angespielt und daß Gott in diesem Film ja wie der Vollstrecker der Evolution wirkt.

  6. @Bine: Die Kreationisteneinstellung in Amerika ist für mich eben so wenig zu verstehen wie Fernsehprediger oder das Recht auf Waffen für jedermann. Die Amis können extrem sein, im Guten sowie auch leider manchmal im Schlechten. Naja, jeder kann glauben was er will, solange es mit Respekt für Andersgläubige geschieht und der Glaube nicht für andere (meist viel weltlichere) Ziele missbraucht wird.

    Ausserdem: Der Film von Bruno ist echt süß.

  7. Die meisten Menschen sind der Meinung, dass die Evolutionstheorie zuerst von Charles Darwin vorgelegt wurde und auf wissenschaftlichen Fakten, Beobachtungen und Experimenten beruhe. Jedoch ist Darwin weder ihr Begründer, noch stützt sich die Theorie auf wissenschaftliche Beweise. Die Theorie ist im wesentlichen ein Versuch, das antike Dogma, der materialistischen Philosophie auf die Natur anzuwenden. Obwohl die Evolutionstheorie in keiner Weise auf wissenschaftlichen Beweis stützt, wird sie blind zugunsten der materialistischen Philosophie aufrechterhalten. Die meisten Leute nehmen alles, was aus dem Mund von Wissenschaftlern kommt als zweifellose Wahrheit an. Es würde ihnen nie in den Sinn kommen, dass selbst Wissenschaftler den einen oder anderen philosophischen oder ideologischen Vorurteilen unterlegen sein können. Tatsächlich jedoch verhält es sich bei den, die Evolutionstheorie vertretenden Wissenschaftlern so, dass sie der Öffentlichkeit ihre eigenen Vorurteile und philosophischen Anschauungen, unter dem Deckmantel der „Wissenschaftlichkeit“, aufzwingen. Obwohl sie sich dessen bewusst sind, dass Zufallsereignisse stets nur Verwirrung und Chaos hervorbringen, behaupten sie z. B., dass die wunderbare Ordnung, Planung und Gestaltung, die sowohl im Kosmos, als in allen Lebensformen offenbar ist, ein Produkt des Zufalls sei. Zum Beispiel dürfte es für einen derartigen Biologen kaum schwierig sein, die unfassbare strukturelle Harmonie innerhalb eines Proteinmoleküls – dem Grundbaustein des Lebens – zu erkennen, und somit die Unwahrscheinlichkeit einer zufälligen Entstehung desselben, und dennoch behauptet er, dass dieses Protein unter primitiven Umweltbedingungen vor Milliarden Jahren zufällig zustande gekommen sei. Doch dem nicht genug; er behauptet ferner ohne zu zögern, dass nicht nur eines, sondern Millionen von Proteinen zufällig entstanden, und sich dann auf unglaubliche Weise zusammentaten, um die erste lebendige Zelle zu bilden. Und diese Ansicht verficht er in blindem Starrsinn. Solch eine Person ist ein „evolutionistischer“ Wissenschaftler. Guten Tag.

  8. Ich finde die Evolutionstheorie sehr einleuchtend und nachvollziehbar. Außerdem schließ sie die Existenz eines Gottes in keiner Form aus. Nur die kindliche Anschauung eines an rippenherumschnitzenden alten Mannes mit Bart aus dem Reli-Unterricht. Guten Tag.

  9. Liebe Geschmackssorte:
    1. Es gibt viele Wissenschaftler, die nicht wissenschaftlich arbeiten. Man sollte nie einem einzelnen trauen. Daher ist der Wissenschaftsbetrieb auf gegenseitige Kontrolle und Kritik ausgelegt. Was in der Wissenschaft „überlebt“, hat selbst einen evolutionären Prozess durchgemacht und ist so herangereift. Aber es ist nie perfekt, es wird daran weitergeforscht und immer weiter verbessert. Es ist nie eine vollkommene Wahrheit, aber man kommt ihr immer ein Stückchen näher. Es „schafft Wissen“. Im Gegensatz dazu schafft „Intelligent Design“ nur schwarze Flecken, es erklärt nichts, sondern institutionalisiert das eigene Nicht-Wissen durch eine höhere Intelligenz, wodurch jede weitere Nachfrage unmöglich wird. Man bleibt dumm. Daher nennt man das erste auch Wissenschaft und das zweite Glaube.
    2. Es ist schlicht falsch, dass Zufall nur Chaos hervorbringt. Wer behauptet so einen Schwachsinn? Ein Zufallsprozess ist immer eingebettet in ein Umfeld. Und abhängig von diesem Umfeld kann ein Zufallsprozess sehr wohl ordnende Wirkung haben. Stell dir vor, es ist Winter, draußen sind es unter 0°C und du hast einen Topf mit Eismatsch. Jetzt erhitzt du den Matsch mit einem Tauchsieder, d.h. du fügst lediglich Wärme, also Entropie, der Inbegriff für Chaos und Zufall, hinzu. Nun entfernst du den Tauchsieder und lässt das Wasser langsam abkühlen. Du bekommst einen riesigen Eiskristall, die perfekte Ordnung, Billionen von Molekülen in Reih‘ und Glied. Wie konnte das passieren, du hast doch nur „Zufall“ hinzugefügt? War da Gottes Hand am Werk? Ziemlich viel Arbeit für Gott. Und dumm wäre es noch dazu, das jedesmal wieder von Hand zu machen. Das wäre also strenggenommen Blasphemie.
    3. Du hast meinen Artikel, wenn überhaupt, sehr unaufmerksam gelesen. Dort wird darauf hingewiesen, dass die Selektion die Informationen schafft. Der Zufall bringt lediglich all die Lehmklumpen zusammen, aus denen die Skulptur entsteht. Die Formschöpfung, das Abtragen, das Kratzen, der Feinschliff, all das erledigt die Selektion. Man verzeihe mir das biblische Gleichnis.

    Die Evolution ist intellektuell fordernd, sie ist nicht so intuitiv, sie übersteigt die menschliche Vorstellungskraft und ist daher unangenehmer und beschwerlicher, als sich dem ganzen einfach nicht zu stellen und alles mit einer höheren Intelligenz zu entschuldigen.

  10. Es gibt Keine Evolutionstheorie. Es gibt nur eine Liste mit Lebewesen, denen Chuck Norris gestattet zu existieren.^^
    Entschuldigt die Störung, musste sein
    Omega
    P.S.: Weiter so Sveenie! Guter Kommentar.

  11. @Omega: Frechheit, wie Du hier mit unqualifizierten Kommentaren unsere Diskussion sprengen willst. Bleib doch bitte beim Thema, wenn Du schon was zum Besten geben willst. Und was hat denn Chuck Norris mit der Evolutionstheorie zu tun? Das ist ja wohl das Allerletzte!!! Wenn Du nichts thematisch zum Thema beitragen kannst, dann lass es bitte. Und was soll dieses Omega-Gerede. Anonyme Kommentare sind doch meist gelogen. Bist wohl zu Feige, deine wahre Adresse anzugeben? Hasenfuß!

  12. „Bewiesen“ ist nur dass es solch blöde Sprücheklopfer wie dich wie Sand am Meer gibt.
    Bewiesen ist, dass sich die affenartige Dummheit, einfach jeden Rotz zu schlucken der Euch eingetrichtert wird, schlagartig ausbreitet, mit jedem Kasten Bier den Ihr Euch hinter die Binde kippt. „Bewiesen“ ist, dass Mutationen immer als Verlust an Information in der Natur beobachtet werden, was sich vor allem bei Euch Biermutanten ganz grässlich erkennbar zeigt. Und bewiesen ist lediglich, dass solche Borniertheit zum Himmel stinkt.

  13. @McDozer:
    Vielen Dank für diesen wertvollen Kommentar, so frei von Sprücheklopferei und eingetrichtertem Rotz. Aber du solltest deine unglaubliche Stärke im Kampf gegen deinen latenten Alkoholismus nicht so raushängen lassen, andere könnten neidisch werden.
    Prost!

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